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23.7.2017 : 22:42 : +0200

Die Stellung der Frau

Die Stellung der Frau bei den Steppenvölkern Mittelasiens war ambivalent. Zum einen waren die Gesellschaften patrilinear und häufig polygam organisiert, was eine Schlechterstellung der Frau im Alltagsleben nahelegt. Zum anderen sind historisch eine ganze Reihe von Frauen mit großem Einfluß auf die Politik beaknnt. Börte, die erste Ehefrau Dschingis Xaans und auch seine Mutter Hoelun sind die vielleicht bekanntesten, aber bei weitem nicht einzigen Beispiele hierfür. Möglicherweise ist die besondere Lebensweise der Nomaden für diese Stellung der Frau ausschlaggebend: Auf den kargen Steppen waren größere Siedlungen die Ausnahme, die Nomaden zogen in kleinen Wirtschaftsgemeinschaften von wenigen Jurten umher. Die Eheleute hatten sich gegenseitig vollständig zu vertrauen und mussten sich in der täglichen Arbeit oft über lange Zeit vollständig ersetzen können. Für diese Annahme spricht u.a. der mongolische Begriff für Eheleute, die sich als "nöxör", d.h. Gefährten bezeichnen.

(Eine ähnliche Stellung der Frau wird auch für Seefahrervölker berichtet - u.a. den Wikingern -, wo die Frauen trotz patrilinearer Organisation während der Abwesenheit und nach dem Tod des Mannes die Herrinnen über Haus und Grund waren).

Eine spannende und faktenreiche Darstellung der Stellung der Frau hat Katharina Winckler unter dem Titel Opens external link in new window"Frauen bei den mittelalterlichen Steppenvölkern Eurasiens" 2005 veröffentlicht.


Dass auch in der Mongolei Frauen trotz meist besserer Bildung schlechtere Chancen beim Start ins Berufsleben haben - zu diesem Schluss kommt eine Studie aus 2009 der Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit. Initiates file downloadWeiterlesen...


Umfangreiches statistisches Material zu geschlechtsspezifischen Differenzierung der 90er Jahre (auch mit Rückgriffen auf die sozialistische Zeit) liefern B. Robinson and A. Solongo in dem Artikel Initiates file download"The Gender Dimension of Economic Transition in Mongolia".