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22.11.2017 : 23:25 : +0100

Dr. rer. nat. Karsten Wesche:
Überleben von Pflanzen in Wüstensteppen der südlichen Mongolei - Ökologie von Gesellschaften, Tier-Pflanze-Interaktionen und Populationen

Zusammenfassung/abstract;

Grasländer sind zusammen mit Wäldern die flächenmäßig wichtigsten Lebensräume der Erdoberfläche, unterliegen aber besonders starker Landnutzung. Allein in der Mongolei werden 1,3 Mio. km² Steppen (also die dreifache Fläche von Deutschland) in nomadischer Viehhaltung beweidet, wobei vor allem für die feuchteren Gebiete im Norden und in der Mitte des Landes massive Degradation beschrieben wurde. Die vorliegende Arbeit fasst nun Untersuchungen aus den Trockengebieten des Südens zusammen, in denen neben dem menschlichen Einfluss vor allem auch das Klima, in dem Fall die geringe Wasserverfügbarkeit, ein entscheidender Faktor ist. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile:

a)      Pflanzen-Gesellschaften: Hier erfolgt eine detaillierte Beschreibung der Flora und Vegetation im Süden der Mongolei. Dabei werden für die Grob-Klassen (Wüsten, Wüstensteppen, Gebirgssteppen) Artenlisten angegeben, aber auch die wissenschaftlichen Namen der relevanten Pflanzengesellschaften. Eine Studie zur Umweltgeschichte zeigt, dass die Steppen wohl seit einigen Jahrtausenden beweidet werden und seit dem ähnlich wie heute aussahen, dass es aber wohl auch in den Gebirgen der südlichen Mongolei ausgedehnte Wälder gegeben hat.

b)      Interaktionen: Hier wird untersucht, welche Bedeutung Beweidung durch Nutztiere, aber auch durch wild lebende Kleinsäuger (in diesem Fall Pfeifhasen) für die Biodiversität und die Biomasseproduktion der Steppen haben. Dabei wird gezeigt, dass die von Jahr zu Jahr stark schwankenden Niederschläge sich viel stärker auf die Vegetation auswirken als die Beweidung als solche. Die Gefahr direkter beweidungsbedingter Degradation scheint daher gering zu sein. Allerdings führt die Beweidung zum Verlust an Bodennährstoffen, was sich mittelfristig selbst in den Wüstensteppen negativ auf die Futterproduktion auszuwirken scheint.

c)      Populationen: Anders als in vielen anderen Trockengebieten sind die meisten Pflanzen in der südlichen Mongolei mehrjährig, müssen sich also nicht jedes Jahr erfolgreich vermehren. Sie können es sich leisten, immer wieder Samen zu produzieren, die relativ unspezialisierte Keimungsansprüche haben. Erfolgreiche Vermehrung geschieht dann wohl auch nur in seltenen Gunstjahren, aber da die Pflanzen alt werden, stellt dies kein Problem da. Ein extremes Beispiel hier ist der Sadebaum oder Stinkwacholder, der in der südlichen Mongolei derzeit gar keine Vermehrung durch Samen zeigt. Dafür wachsen die Pflanzen durch immer neue Sprossbildung, und das wohl seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden. Dies zeigen genetische Untersuchungsmethoden, mit denen auch bestimmte endemische Arten (Arten, die weltweit nur in der Mongolei vorkommen) bearbeitet wurden.

 

Suchworte: Beweidung, Halbwüsten, Keimung, Kleinsäuger, Naturschutz, Populationsgenetik, Vegetationsgeschichte, Zentralasien

Die gesamte Arbeit kann auf dem Universitätsserver der Universität Halle angesehen werden. Opens external link in new windowWeiterlesen...

 

Anne Zemmrich: Die Steppengliederung der Mongolei aus Sicht der russischen und mongolischen Geobotanik

Die Steppen der Mongolei sind seit langem Forschungsgegenstand der russischen und mongolischen Geobotanik, die Zahl der daraus resultierenden Veröffentlichungen schon kaum mehr überschaubar (vgl. METELTSEVA 1986, HILBIG 1981, 1988 & 1991, DOROFEYUK & GUNIN 2000). Wenig davon ist aufgrund sprachlicher Barrieren den westeuropäischen Lesern zugänglich.
In dem Artikel "Initiates file downloadDie Steppengliederung der Mongolei aus Sicht der russischen und mongolischen Geobotanik" gibt Anne Zemmrich einen zusammenfassenden Überblick über die Gliederung der Steppen der Mongolei in der russisch-mongolischen Vegetationskunde. Im ersten Teil des Beitrages werden physiognomische und floristische Eigenschaften, ihre Bindung an Bodentypen und Klimabedingungen sowie ihr Vorkommen beschrieben. Im zweiten Teil werden die Bodenbildungsprozesse und die damit verbundenen Bodentypen für die entsprechenden Steppentypen dargestellt. Der Artikel wurde erstmals im "Archiv für Naturschutz und Landschaftsforschung", Band 44, Heft1, 2005 veröffentlicht.