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10.12.2018 : 1:13 : +0100

Transport

Der lange Weg zurück in die Heimat

Einige Wochen vor dem Abflug werden die Tiere aus verschiedenen europäischen Zoos in den Wildpark Langenberg in Langnau am Albis bei Zürich gebracht. Die Takhis können sich hier aneinander gewöhnen und gleichzeitig über Futtergaben dazu gebracht werden die speziell angefertigten Fangboxen zu betreten. Im Wildpark Langenberg laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Bewilligungen werden beantragt, das Begleitteam zusammengestellt und Material

sowohl für die Reise wie auch für die Auswilderungsstation in der Mongolei gesammelt. Letzte logistische und terminliche Abmachungen werden getroffen.

Am Tag vor dem Abflug wächst die Spannung: Tierärzte, Tierpfleger des Wildparks, Betreuer und der Koordinator Christian Stauffer treffen sich im Wildpark Langenberg. Die Tierpfleger legen wie jeden Tag Mais und Kraftfutter in die Futtertröge der Fangboxen. Es ist nicht abzuschätzen, wie lange es dauert, bis alle Tiere in den Boxen am Fressen sind – eine Geduldsübung für alle Anwesenden. Endlich, die Fangboxen können geschlossen werden und die Tierärzte führen letzte Untersuchungen durch.

Nun werden die Pferde einzeln aus den Fang- in die bereitstehenden Transportboxen überführt und mittels eines Frontlader auf den Transporter gehievt. Das 2002 eingeführte System mit den Fangboxen hat sich bewährt, nur noch ganz selten muss ein Tier narkotisiert werden. Dies bedeutet weniger Stress und Schweiss für Tier und Mensch, mussten doch früher die narkotisierten Tiere in kräftezehrender Arbeit auf Decken in die Transportkiste gehievt, gezerrt und geschoben werden.

Am späteren Nachmittag sind endlich alle Transportkisten bereit. Kleine Schlitze sorgen für eine gute Belüftung, verhindern aber eine optische Überreizung der Pferde. Im Bereich des Kopfes sind die Kisten mit starkem Polstermaterial ausgekleidet, um bei einem unruhigen Flug Verletzungen zu vermeiden. Über eine Klappe kann den Takhis eine Blumenkiste mit Heu, Obst oder Wasser in die Kiste geschoben werden.

Während der Nacht bleiben die Takhis auf dem Lastwagen im Gelände des Wildparks. Tierpfleger sehen regelmässig nach den Tieren und können bei einem unvorhergesehenen Ereignis reagieren. Der Verlad am Tag vor dem Abflug ist eine Sicherheitsmassnahme - würden Probleme auftreten, könnte man in der Nacht weiterarbeiten. Der internationale Flug hat nur ein kleines Zeitfenster und kann nicht warten.

Nach einem Telefon von Swisscargo fährt die kostbare Fracht am Morgen los. Am Flughafen müssen die CITES- und die Transportpapiere kontrolliert und genehmigt werden. Dann folgt der grosse Abschied: Kisten, Futter und das bereit gestellte Material werden verladen, und nach einer Passkontrolle können auch die Begleiter im Frachtraum Platz nehmen.

Eine nicht sonderlich bequeme und auch laute Reise steht bevor!

Der Flug führte 2004 über Moskau nach Ulaan Baatar und weiter nach Khovd, wo die Transportkisten in kleinere Flugzeuge umgeladen wurden, da eine grosse Transportmaschine in der Gobi-B nicht landen kann. Beim Überführen von einem Flugzeug ins andere konnten die staunenden Begleiter ein Alternativtraining der mongolische Ringer bewundern. Diese bewerkstelligten von Hand, wofür in Kloten Hubstapler eingesetzt wurden.

Endlich! Nach einer Reise von insgesamt beinahe 24 Stunden und 6500 Kilometern und nach diversen Zoll- und Einreiseformalitäten öffnet sich der Laderaum der ersten Maschine in der Gobi-B und die Takhis können die Luft ihrer neuen, alten Heimat schnuppern.

Im Auswilderungszentrum der ITG haben sich viele Einheimische eingefunden, die zum Teil ebenfalls sehr lange Reisen unter die Füsse genommen haben, um „ihre Takhis" zu begrüssen.

Die Kisten werden auf den Boden gehievt und die Klappen geöffnet. Ein kurzes Zögern, Schnuppern....und die Takhis galoppieren in die vorerst eingezäunte Weite der Mongolei. Nach einer einjährigen, überwachten Akklimatisation steht der grossen Freiheit nichts mehr im Wege.

Nach einem ersten Znacht in der fremden Umgebung begeben sich auch die Begleitpersonen in ihre Jurten und geniessen in der kalten Luft der Mongolei den wohlverdienten Schlaf.