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17.11.2017 : 18:37 : +0100

Der mongolische Filz

Der Filz gehört zu den wichtigsten Produkten der Steppennomaden. Die wesentliche Funktion dieses Produktes ist die Isolation gegen die Kälte, die acht bis neun Monate des Jahres herrscht. Vor allem ist es natürlich die Jurte, die mit bis zu drei Lagen Filz isoliert wird, aber auch filzgefütterte Stiefel und Filzmützen sind zu finden.

"Ich erinnere mich an den Filz, aus dem ihre Zelte gemacht waren, an den scharfen Geruch von Käse, Fett und Milch. Sie rieben meinen Körper mit Fett ein, damit die Wärme zurückkehrte und wickelten mich in Filz ein, weil Filz die Wärme hält" - so erinnerte sich Joseph Beuys an seine Rettung durch Krimtataren nach seinem Flugzeugabsturz Anfang 1944 (Die neuere Forschung zur Biographie von Joseph Beuys bezweifelt diese Version).

Für eine nachhaltige Isolierung einer Jurte wird pro Jahr die Wolle von etwa 30 Schafen benötigt. Diese Anzahl an Schafen war dementsprechend auch in den Zeiten, als Steuern auf Weidevieh erhoben wurden, steuerfrei.

Die Filzherstellung war eine Fertigkeit, die jeder Nomade beherrschte: Nach dem Lockern (und Reinigen der Wollen von Fremdkörpern) wurde die Wolle auf eine Trägerschicht (oft eine alte Filzmatte) geschichtet, genässt, zusammengerollt und mit Pferden über die Steppe gerollt. In der sozialistischen Zeit wurde die Herstellung industrialisiert. Es wurden lokale Manufakturen errichtet, es gab Wollwäschereien und eine zentrale Filzherstellung. Eine internationale Vermarktung der Wolle war wenig erfolgreich.

Wir wollen auf dieser Seite verschiedene Informationen zur mongolischen Filz-Herstellung und seiner kulturellen Bedeutung zusammentragen.

 Auf unserer Reise im Jahre 2010 hatten wir die Gelegenheit, zwei Filzmasnufakturen (in Khujirt südlich von Kharkhorin im Öwörkhangai Aimak und im Bogd Sum im Bayankhongor Aimak) zu besuchen. Opens internal link in current windowWeiterlesen...