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21.9.2017 : 5:13 : +0200

Mongolisches Leder

Ob als Sattelgurt, als Riemen, um die Last auf Kamelen oder Pferden festzubinden, als Fußfesseln für die Pferde, als Halfter - überall findet man in der  Mongolei rohgegerbtes Leder, dessen Herstellung jeder Nomade beherrscht.
Ausgangspunkt dieser Riemen (mongolisch: "Sur") ist die Haut eines Rindes, die kreisförmig in mehrere, jeweils 12 - 13 Klafter, d.h. etwa 20 Meter lange, etwa zwei Finger breite Streifen geschnitten wird. Je nach Größe der Haut können auf diese Weise zwei bis vier Streifen gewonnen werden. Diese rohen Lederstreifen lässt man im Winter gefrieren und entfernt vor Sonnenaufgang mit einem Messer die Haare. Anschließend wird das Leder zwei bis drei Tage in Wasser gelegt, wobei roter Fleischsaft entzogen wird.

Dehnen und Walken des Leders. Aufnahme aus den 60er Jahren; Copyright: Helmut Splisteser

Das Leder wird im Wind kalt getrocknet und zwei bis drei Monate aufgehängt und anschließend etwa 14 Tage lang in Molke und Natursalz eingeweicht. Etwas antrocknen lassen und dann werden die Riemen in große Schlingen gelegt und an einem Dreibein aufgehängt. Unten mit einem Gewicht beschwert werden nun die Riemen durch Drehen gereckt und gedehnt.

Dehnen der Lederstreifen mit einer LKW-Felge als Gewicht; Copyright 2006 Sabine Haluszka-Seidel

Dermaßen geschmeidig gemacht werden die Riemen gegen Steine geschlagen, gefettet, erneut über dem Dreibein gedehnt und gereckt, erneut gefettet und damit imprägniert. Dieser Vorgang widerholt sich, bis das Leder seine gewünschte Qualität erreicht hat.
Die Länge von ca. 20 Metern wird deshalb gewählt, weil diese benötigt wird, um eine Kamellast zu verschnüren.

Fetten des Leders zwischen dem Recken der Riemen; Copyright 2006 Sabine Haluszka-Seidel
Imprägnieren und Fetten des Leders; Copyright 2006 Sabine Haluszka-Seidel
Copyright 2010 Sabine Haluszka-Seidel: Ein Čödör (lederne Fußfessel), ein Sur (Lederriemen) und der Kamm für das Auskämmen des Kaschmirs an der Jurtenwand
Copyright Sabine Haluszka-Seidel 2010

Neben dem Ledrriemen (mongolisch: Sur) hängt hier links eine Fußfessel für ein Reitpferd (mongolisch  Čödör). Rechts neben dem Sur ein Kamm, mit dem die Kaschmirwolle ausgekämmt wird.

In nahezu allen Jurten, die wir besucht haben, hängen solche Riemen an der Wand, die nicht nur als Seile dienen, sondern wiederum Ausgangspunkt für weitere Dinge sind: Besonders kunstvoll werden aus einem Stück die Halfter hergestellt, oder auch die Čödör genannten Fußfessel für die Pferde.

 

Ein lederner Sattelgurt wird geflochten; Copyright 2002 Sabine Haluszka-Seidel

Die nachfolgende Bilderserie dokumentiert die Herstellung eines Halfters aus einem Lederriemen. Die ersten Arbeitsschritte wurden in der Jurte unseres Freundes vorgenommen. Zum Abschluss des Prozesses wurde dann zum Spezialisten geritten: Ein Nachbar, der die entscheidenden Kniffe besonders gut beherrscht.

Für den Betrachter verwirrend werden erste Schlingen und Knoten in den Ledergurt geknüpft; Copyright Sabine Haluszka-Seidel, 2002
Leder Knoten wird mit voller Kraft zusammengezogen; Copyright 2002 Sabine Haluszka-Seidel
vorsichtig wird mit einem Antilopenhorn ein Loch gebohrt; Copyright Sabine Haluszka-Seidel, 2002
Die Öse wird mit dem Antilopenhorn geweitet; Copyright Sabine Haluszka-Seidel, 2002
Ein kunstvoller Knopten im Detail - alles aus einem einzigen Riemen; Copyright 2002 Sabine Haluszka-Seidel