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13.12.2017 : 15:43 : +0100

Mongolisches Fleisch

Autor: Eike Seidel

Jeder Mongoleireisende wird die Erfahrung gemacht haben, dass mongolisches Fleisch etwas ganz besonderes ist. Auch wenn Mongolen das Fleisch nach unseren Begriffen viel zu kurz kochen, auch wenn sie das Braten so gut wie nicht praktizieren, und auch wenn nach Wochen in der Mongolei der Geruch von Hammelfleisch für viele Touristen kaum mehr zu ertragen ist: Dass dieses Fleisch alles in den Schatten stellt, was man in Europa bekommt, darin sind sich die meisten Touristen einig. Grund hierfür sind die im Prinzip mageren Weiden, in denen nicht Gras, sondern Kräuter die Vegetation bestimmen. Möglicherweise könnten Gourmets die Herkunft des Fleisches aufgrund des spezifischen Geschmacks bestimmen Vegetationszonen zuordnen...

Fleisch ist neben der Wolle, etwas Leder und einigen wenigen Milchprodukten das einzige Produkt, das die mongolischen Viehzüchter auf den Markt bringen können. Traditionell wurden die Tiere vor allem im Winter geschlachtet und verzehrt, während im Sommer vor allem die "weißen Speisen" gegessen wurden.

In den 50er Jahren wurde dann das Fleisch der Tiere zur Versorgung der Statdbevölkerung zur Ware. Die Genossenschaften (Negdel) trieben die Herden der Schlachttiere über zentral verwaltete Triftwege von Osten, Westen und Norden nach Ulaanbaatar, wo mit DDR-Hilfe das Fleischkombinat und eine Wurstfabrik errichtet wurde. Die langsame Wanderung verhinderte ein Abmagern der Tiere. Durch zentrale Organisation wurde verhindert, dass die Herden aufeinander trafen und eventuelle Tierkrankheiten sich über das Land verbreiteten. Damit verbunden war eine groß angelegte Kampagne, um den Viehbestand der Mongolei in den 60er Jahren seuchenfrei zu bekommen. Dieses Ziel wurde weitgehend erreicht und wird nach einer Pause in den 90er Jahren wieder durch eine zentrale Veterinärorganisation weitgehend wieder erreicht.

Allerdings grassiert in der Mongolei periodisch die Maul- und Klauenseuche, die immer wieder durch Kontakt mit Wildtieren neu ausbricht und großen Schaden anrichtet.

2009 wurden die Triftwege geschlossen und ein Treiben von Vieh nach Ulaanbaatar verboten. Schlachttiere werden seitdem von fahrenden Händlern bei den Nomaden aufgelauft und per Auto zu den Schlachthöfen gefahren. Dies hat zur Konsequenz, dass die weit entfernten Viehhalter immer weniger für ihr Produkt erhalten, da im Preis die hohen Transportkosten einkalkuliert sind. Außerdem sinkt infolge des Stresses der Tiere durch den Transport die Fleischqualität.

Von Seiten der Regierung wir düberlegt, eine Reihe kleinerer und möglichst mobiler Schlachteinheiten einzurichten, um diese Nachteiloe auszugleichen. Zumindest in den Herbst- ud Wintermonaten könnte so das Fleisch nahe beim Erzeuger produziert werden, da dann die Energiekosten für die Haltbarmachung des Fleisches durch die tiefen Temperaturen kaum ins Gewicht fallen.

Allerdings ist mongolisches Fleisch in seiner derzeitigen Form außerhalb der Mongolei kaum marktfähig: Traditionell werden in der Mongolei alte Tiere geschlachtet, deren Fleisch für den Weltmarkt zu zäh ist. Das mongolische Fleisch ist sehr fettreich, was ebenfallsnur schlecht vermarktet werden kann. Zudem schotten sich die potentiellen Abnehmerländer der ersten Welt mit einer ganzen Reihe von Auflagen (Herkunftsnachweise, Gesundheitsnachweis, Transportwegsnachweis und Weidezertifizierung) gegen den Import mongolischen Fleisches ab.

So ist es zweifelhaft, ob Fleisch ein Exportartikel werden kann: Es müssten junge Tiere geschlachtet werden, es müssten andere Rassen gezogen werden, die dann die offene Weidehaltung nicht überleben, es müsste eine flächendeckende Erfassung (Chips) der Tiere und eine lückenlose Kontrolle der Weidegebiete und Abstammung organisiert werden. All diese Maßnahmen erfordern Kapital und würde in der mobilen Weidehaltung kaum durchzuführen sein.