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23.9.2018 : 17:54 : +0200

Das Murmeltier

Gleich am ersten Tag unseres ersten Mongoleiurlaubs passierte es: Mein Pferd, lange Zeit an keinen Reiter – und noch dazu einen so schweren – mehr gewohnt, trat in ein Murmeltierloch. Der anschließende Reiturlaub über drei Wochen war zumindest in den ersten Tagen für mich kein Zuckerschlecken, so hatte es mir beim Sturz die Wirbelsäule durchgeschüttelt.

Dem Pferd war – gottseidank – nichts passiert.

Das aber war das einzige Mal, dass eines unserer Pferde in ein Murmeltierloch getreten ist. Waren wir anfangs noch ängstlich und versuchten, die Löcher zu umreiten, so kamen wir nach wenigen Tagen zur Erkenntnis, dass diese Pferde schon wissen, wie sie diese Löcher vermeiden können. Sie sind es Zeit ihres Lebens eben gewohnt, dass die mongolische Steppe von Murmeltierlöchern und den Bauten anderer Erdbewohner durchwühlt war. Selbst in der Dunkelheit fanden die Pferde mit nahezu schlafwandlerischer Fähigkeit den Weg an den Löchern vorbei.

Unvergesslich der Gewitterregen, in dem binnen Minuten sich Sturzbäche in Richtung Orkhon-Fluss ergossen und dabei aus den am Hang gelegenen untern Eingängen zu den weitverzweigten Murmeltierbauten das Wasser wie aus Syphons schoss.

Sehr zum Leidwesen übrigens der Mongolen, die den Tod so vieler Leckerbissen betrauerten. Denn Murmeltier im eigenen Balg gegart gehört zu den Leckerbissen der mongolischen Küche – wenn man Mongole ist.

Copyright 2002 Sabine Haluszka-Seidel; Murmeltierjäger in traditioneller Jagdkleidung

Mittlerweile hat sich die Situation stark verändert: Das Murmeltier ist in der Mongolei in weiten Teilen nahezu ausgerottet. Der Verkauf der Felle (bis zu sieben Dollar pro  Fell) und des Murmeltierfetts (1 Liter zu 8 Dollar; ein Liter wird aus ca. 8 Tieren gekocht) war für die Bewohner des Landes ein einträgliches Geschäft.

Copyright 2002 Sabine Haluszka-Seidel; Die Felle werden mit Holzstöckchen an den Boden genagelt, damit sie beim Trocknen nicht "krumpeln"

Wenig im Bewusstsein ist der Schaden, den die Ausrottung des Murmeltiers (wie aller „Bodenbewohner“ wie Wühlmäusen und Zieseln bedeutet: Verschwinden diese, so verdichtet sich der Steppenboden immer mehr mit weitgehenden Konsequenzen für den Pflanzenbewuchs. Die immerwährende Wühlarbeit dieser Tiere lockert den Boden, sie graben ihn unaufhörlich um, und sorgen damit für Durchlüftung und letzten Endes das Pflanzenwachstum. Als Konsequenz hieraus ist die Jagd auf Murmeltiere seit einigen Jahren verboten und damit der Handel mit den Fellen weitgehend unterbunden.

Eike Seidel, Copyright 2011

Copyright 2002 Sabine Haluszka-Seidel; solche Jagdstrecken erbrachten ca. 70 $ für die Feller und 10$ für das Murmeltierfett