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23.7.2017 : 22:37 : +0200

Staudammprojekt am unteren Orxon

Auch in der Mongolei wird derzeit darüber nachgedacht, angesichts der Wasserknappheit tief in die natürlichen Strukturen einzugreifen. Konkret ist projektiert, durch einen Staudamm in der Nähe von Bulgan den Orxon aufzustauen, um dann etwa ein Drittel des Wassers über eine 900 km lange Pipeline an mehreren Städten vorbei in die Gobi umzuleiten. Der Staudamm soll knapp unterhalb des Orkhon-"Knies" und vor der Einmündung der Tuul angelegt werden (siehe Karte).

Weltweit sind derartige Projekte offenbar die "ultima ratio" bei der Bewältigung von Mangelsituationen. Bekannt sind die chinesischen Pläne, Teile des Jangtse Kiang nach Norden umzuleiten, wo der Hunagho (Der Gelbe FLuss) mittlerweile kaum noch das Meer erreicht. In Griechenland sind solche Projekte geplant, ebenso in Brasilien und in SPanien, wo der Ebro teilweise nach Süden in die andalusischen Gemüseanbaugebiete umgeleitet werden soll, um den Wasserexport Spaniens in Form von Tomaten und anderem Gemüse in die reichen Teile Europas weiter zu ermöglichen.

Michelle Tolson hat das Projekt in einem Artikel kritisch hinterfragt, den wir mit der Genehmigung der Autorin und ihrer Agentur in der deutschen Übersetzung von Opens external link in new windowwww.klimaretter.info übernehmen dürfen. Hier kann er als PDF heruntergeladen werden. Initiates file downloadDownload

Grafik: wikipedia commons

Der Orxon entspringt im Xangai-Gebirge und mündet kurz vor der mongolisch-russischen Grenze in die Selenge, die ihrerseits der größte Zufluß des Baikalsees ist. Die Ableitung des Wassers selbst hat direkte Auswirkungen in der Mongolei "lediglich" in der Vertreibung von Viehhaltern von ihren Weideplätzen um den Staudamm selbst.

Das Projekt selbst, eine 900 Kilometer lange Pipeline, wird aber eine rieseige Baustelle darstellen, deren Wunden weit mehr Nutzland über Jahre hinaus zerstören wird. Das Wasser des Orxon selbst ist kein Trinkwasser und müsste für eine Nutzung durch Menschen erst aufwändig aufbereitet werden. Es wird am unteren Orxon als Tränke für die Herden genutzt. Unter diesen Umständen ist jede Aussage, die Pipeline käme den Gobi-Nomaden zugute, reine Propaganda. Als menschlich nutzbares Trinkwasser müssten große Aufbereitungsanlagen projektiert werden und es müsste in jedem Fall eine Feinverteilung des Wassers in der GObi auf eine große Fläche projektiert werden. Beides ist nicht bekannt.

Die Pipeline führt an mehreren Städten vorbei, insbesondere an Ulanbaatar. Dort ist in den letzten Jahren der Grundwasserspiegel sehr abgesunken und auch die Tuul, ein Nebenfluss des Orxon, der druch Ulanbaatar fließt, führt nur noch manchmal ausreichend Wasser. Dass in Ulanbaatar zumindest Teile des Orxonwassers abgezweigt werden soll, ist zu vermuten. Wer letzten Endes wieviel Wasser aus diesem Projekt bekommen wird, wird noch spannend. eine Gruppe wird es aber nicht sein: Die Nomaden der Gobi, deren Brunnnen heute schon versiegen, weil u.a. infolge des Wasserverbrauchs der Minen in der Südgobi dort der Grundwasserspiegel ebenfalls abgesunken ist.

Zudem ist fraglich, ob die kalkulierte Wassermenge auf Dauer tatsächlich den Staudamm erreichen wird. Vor etwa 10 Jahren war der Orxon-Wasserfall im Khangai-Gebirge, eine der Hauptattraktionen dort, nahezu versiegt. Der Grund hierfür war der illegale Wasserverbrauch durch Goldminen südlich des Wasserfalls. Einer der Miteigentümer dieser Goldmine war ausgerechnet der damalige Umweltminister der Mongolei.

Zwischen dem Orxon-Wasserfall und der Hauptstadt der Provinz Uwurxangai, Arvaixeer, liegt eines der Hauptfördergebiete von Gold. Die spdlich des Xangai-Kamms liegende Stadt Uyanga erlangte traurige Berühmtheit dadurch, dass von den ehemals 5 aus dem Gebirge kommenden Flüsse, die sich hier zum Ojngin Gol vereinen, einer ganz versiegt war, drei weitere Quecksilberbelastet und nur ein aus dem Naturschutzgebiet der "Naiman Nuur" herausfließender Fluss unbelastet geblieben war. Inwieweit diese Wasserentnahme und Vergiftung schin am Oberlauf dauerhaft unterbunden werden kann, ist unklar.

Zwischen dieser Vergiftung am Oberlauf und dem Staudammprojekt am Unterlauf des Orxon liegt das berühmte Orxontal, da süber viele Jahrhunderte Zentrum der Welt gewesen ist und das als Weltkulturerbe der UNESCO gilt. Schon Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung siedelten hier die Hunnen bis hin zum nörldich der Selnge fließenden Fluß Egijn Gol. In der ebene nördlich von Kharkhorin in Richtung auf den Bayan Nur wurden die ältesten Zeugnisse alttürkischer Schrift entdeckt und die Ausgrabung ist mittlerweile in einem von der Türkei finanzierten Museum zu bestaunen.

Nach den Türken hatten die Uiguren im 8. Jahrhundert dort ihre Hauptstadt, die ebenfalls nördlich von Kharkhorin in der Steppe zu besichtigen ist und die erst in letzter Zeit systematisch erforscht wird.

Und schließlich ist Kharkhorin der Ort, an dem Dschinghis Khan seine Hauptstadt zu errichten begonnen hat und die shcließlich von seinem Nachvolger Ögödai vollenet wurde. Das ganze Tal - vom Wasserfall über mehrere hundert Kilometer bis fast bis Bulgan, also dem Ort des geplanten Staudamms, ist voll von Gräbern der verschiedensten Völker und Kulturen. Wer beisielsweise südlcih von Khujirt die Orxon-Anhöhen besteigt und ins Talblickt, sieht hunderte von trükischen Grübern; und wer sich die Zeit nimmt und die Augen aufmacht wird auf allen Wegen entlan des FLusses immer wieder die typischen runden oder viereckigen Steinesetzungen entdecken, die dem Fachmann verraten, aus welcher Zeit hier die Fürsten und Anführer welcher Kultur begraben wurde.

All dies zeigt, wie wichtig der Orkhon in historischer Zeit für die Entwicklung der mittelasiatischen Kulturen gewesen ist. Hier versammelten sich die riesigen Reiterheere, weil hier der Ort war, wo genügend Trinkwasser für große Herden und Armeen vorhanden war.