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13.12.2017 : 15:41 : +0100

Das Wasserproblem in der Mongolei

Das Wasserproblem in der Mongolei

"Das Hauptproblem unserer Reise ist das Wasser" - so rief meine Frau Sabine auf unserer ersten recht abenteuerlichen Reitreise durch den Bulgan-Aimag im Jahr 1999 aus, als wir kurz hinter Ulaanbaatar die Steppe erreichten. Damit konforntiert waren wir selbst drei Tage später, als wir unter sengender Sonne und ohne Schatten das Orkhon-Ufer verließen und eine erste Tagesetappe von ca. 40 Kilometern mit den Packpferden zurücklegten. Wir schafften es damals nicht zur nächsten Wasserstelle. Damit war die Aufgabenverteilung klar: wir für Zeltaufbau und Küche, unsere mongolischen Begleiter für den Weg und vor allem das Wasser.

Und dabei ist der Bulgan-Aimak einer der wasserreichsten Provinzen im Norden der Mongolei, mit erwa 200 Millimetern Nierderschlag pro Jahr rund ein Viertel des deutschen Durchschnitts.

Wer heute über das Land fährt und die Augen offen hält, wird auch sehen, dass die Gers wie Perlen auf einer Schnur entlang von Wasserläufen aufgereiht sind. Auf jeden Fall kann jeder Reisende in der Mongolei sicher sein, dass in höchstens 10 Kilometer Entfernung von einer Jurte ein Wasserloch zu finden ist. Dies nämlich ist in etwa die Entfernung, die eine Schafherde maximal von der Jurte entfernt grast, da sie Abends wieder heimgeholt werden muss.

Doch dieses traditionelle Wassermanagement ist in den letzten 100 Jahren massiv zurückgedrängt worden. Und es ist bei weitem nicht eine angeblich natürliche Ursache wie der "Klimawandel" dafür verantwortlich. In allen ariden Gegenden der Erde gibt es einen Widerspruch zwischen Wasservorrat auf der einen Seite und Bevölkerungskonzentration und ökonomischer Entwicklung auf der anderen Seite. Wasser ist eine begrenzte Ressource, deren Kosten dramatisch steigen, je weniger natürlicher Niederschlag und sauberes Grund- und Fließwasser vorhanden ist.

Deutlich wird dieser Widerspruch z.B: in Israel und Palästina, wo die israelische Siedlungspolitik durch die Wasserentnahme im Jordantal mittlerweile den südlichen Teil des Toten Meeres hat trocken fallen lassen. Deutlich wird dies in Kasachstan, wo in diesem Jahr (2014) der Aral-See zum ersten mal völlig ausgetrocknet ist, weil die Wasserentnahme aus dem Amur Darja und dem Syr Darja für die Baumwollfelder, aber auch für industrielle Nutzung und Brauch- wie Trinkwasser der Bevölkerung größer als die Zuflußmenge aus den Gebirgen war. In den USA erreicht der Coloradofluß im Westen nahezu niemals mehr den Pazifik und auch der Gelbe Fluß Huang Ho in China erreicht das Meer seit Jahren nicht mehr. Der Kriege der Zukunft werden ums Wasser geführt - dies ist die pessimistische Schlussfolgerung von immer mehr "geopolitischen Strategen". Die Auswirkungen für die Landwirtschaft haben wir Opens internal link in current windowan anderer Stelle auf dieser Webseite vorgestellt.

Auch die Mongolei leidet unter diesem Widerspruch: In Ulaanbaatar leben heute etwa 20 Mal soviel Menschen wie Anfang des 20. Jahrhunderts. Hinzu kommt, dass der Wasserverbauch pro Kopf erheblich gestiegen ist. Wir haben vor Jahren miterlebt, wie der Grundwasserspiegel im Garten einer Bekannten so weit abgesunken ist, dass ihre bisherige Tauchpumpe das Wasser für den Gemüsegarten nicht mehr fördern konnte.

Hinzu kommt, dass durch die Abholzung der Wälder im Tuultal für die Brennstoffgewinnung in den Jurtenvierteln die wenigen Starkregen zu Überschwemmungen führen anstatt die natürlichen Wasservorräte in den Waldböden aufzufüllen. Hier bleibt abzuwarten, ob die Wiederaufforstung auf dem südlichen Tuulufer hier dauerhaft positive Effekte haben wird.

Ebenso wie Ulaanbaatar leiden die beiden großen Städte Darkhan und Erdenet unter vergleichbaren Problemen. In Darkhan verliert das städtische Leitungssystem nahezu 50% des Wassers, in Erdenet ist ein Naherholungsbiet mittlerweile nahezu entwaldet und anstatt einer kontinuierlichen Wasserzufuhr für die Stadt zu sichern, bedrohen nun Schlammmuren bei Starkregen die Randsiedlungen dieser neuen Metropole.

Noch dramatischer ist das Wasserproblem in der Gobi: Für die Südgobi wurde vor wenigen Jahren festgestellt, dass die beiden größten Minen, Oyu Tolgoi (Kupfer und Gold) und Tavan Tolgoi (Steinkohle) zusammen mehr als vier Mal sowiel Wasser verbrauchen wie die Menschen und Weidetiere in den vier südlichen Aimaks zusammen. Wahrscheinlich wird ohne die Erschließung neuer Wasserquellen hier um das Jahhr 2020 so gut wie kein Trinkwasser mehr zu finden sein. Auf unserer Reise im Jahr 2014 haben wir neu gebohrte Brunnen gesehen, die bis in 80 Meter Tiefe reichen. Selbst die einfachen Tiertränken waren ohne Motorpumpe nicht mehr zu nutzen. Für die Bergwerke sind deshalb eine Förderung von (Salz-)Wasser aus großen unterirdischen Aquiferen (wasserleitende Schichten oder "Blasen") eine mögliche Alternative oder die Umleitung ganzer Flüsse, wie es für den Orkhon in Studien schon angedacht ist.

Das Wassermanagement ist heute in der Mongolei eine der ganz wichtigen Aufgaben, die jede Regierung zu bewältigen hat. Ein Schwerpunkt dabei ist natürlich Ulaanbaatar. Aber auch Erdenet und Darkhan als die neuen Großsätdte der letzten 50 bis 60 Jahre haben dasselbe Problem und ligen beide am gleichen Flußsystem von Tuul, Orkhon und  Selenge, die zusammen den größten Zufluß des Baikalsees ausmachen.

Einen sehr kritischen Artikel zu den Bemühungen, das Wassermanagement in dieser Region zu bewältigen, ist in der Online-Zeitschrift "Schattenblick" erschienen (www.schattenblick.de). Der Artikel stellt in sehr pointierter Form die "Unterstützung" des Wassermanagements in ariden Ländern und hier beispielhaft der Mongolei im Tal der Kharaa dar als durch die eigenen Interessen der Länder der ersten Welt geleitet. Tatsächlich wird die Ressource Wasser bei aller Entwicklungs- und Ausbeutungspolitik nicht bewertet, sie hat keinen Preis, sondern wird als "Externality" vorausgesetzt. Unter Externalities werden allgemein die kostenlosen Vorleistungen der Staaten und Gesellschaften bezeichnet, die eben nicht als Kosten in die Erfolgsbilanz eines Unternehmens eingehen. "Externalities" sind typischerweise Infrastrukturleistungen wie Verkehr, ausbildung, Wasser, Energieinfrastruktur etc. Würde die Ressource Wasser aber auch in der Mongolei privatisiert und bekäme sie einen Preis, dann würde in erster Linie der Teil der monoglischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze (etwa 30%) darunter leiden und erst in zweiter Linie der Bergbau. Der Artikel findet sich Initiates file downloadhier....

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion dürfen wir den nachfolgenden Artikel hier auf unserer Webseite zur Verfügung stellen.

  • Quelle: online-Zeitung SCHATTENBLICK
  • Schattenlick --> Infopool --> umwelt --> Report
  • Bericht/034: Down to Earth - Hilfsvorwände (SB).
  • Copyright by MA-Verlag, Dorfstraße 41, 25795 Stelle-Wittenwurth
  • Link zum Originaltext:

http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/report/umrb0034.html

 Eike Seidel, Dezember 2014