Wirtschaft/Politik > Landwirtschaft > 
21.9.2017 : 5:08 : +0200

Export von landwirtschaftlichen Produkten

Wer heute in der Mongolei einkaufen geht, findet bis in die letzten Aimag-Zentren deutsche Lebensmittel. Die auch hier bekannten Marken "Ja!", "Gut und guenstig" sind überall präsent. Selbst zumindest als "Deutsches Produkt" verpacktes Salz wird angeboten, ganz abgesehen von Schwartau-Marmelade, deutschem Schmelzkäse und deutscher Wurst. Bei diesen Geschäften handelt es sich nicht um Spezialitätenläden, wo europäische Bewohner der Mongolei gegen teures Geld ihre gewohnten heimatlichen Produkte kaufen können (auch solche Geschäfte gibt es zumindest in Ulanbaatar), sondern die neuen großen Ketten der Lebensmittelbranche in der Mongolei werden zunehmend von importierten Waren auch des einfachsten Bedarfs dominiert.

Es gehört zu den Absurditäten des globalisierten Welthandels, dass es offenbar profitträchtiger ist, derartige Waren - möglicherweise noch subventioniert durch die EU in Brüsel - über tausende von Kilometern zu transportieren anstatt einheimische Waren zu produzieren und anzubieten. Die Mongolei ist dabei nur ein besonders drastisches Beispiel. Ähnliches lässt sich in der EU in den Randländern feststellen, wo die einheimische Lebensmittelproduktion teilweise stillgelegt wurde und stattdessen die großen Player der Nahrungsmittelindustrie als Sieger hervorgehen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Beschäftigung vor Ort.

Wer sich mit der Ausgabenstruktur eines ländlichen Haushalts beschäftigt, wird erstaunt sein, welcher Anteil dabei auf Lebensmittel entfällt. Es sind dies die horrenden Preise für importierte Nahrungsmittel, die bei ganz geringen Absatzmengen bis in die entlegensten Gebiete transportiert werden. Dies führt zu Preisen ähnlich denen in Finnland und Norwegen, wo vergleichbare Transportwege mit geringen Absatzmengen existieren.

Nun ist die Mongolei sicher ein Land, in dem bestimmte Lebensmittel (z.B. Obst, Marmelade, das meiste Gemüse) kaum selbst produziert werden können. aber immerhin war das Land bis 1990 in Bezug auf Kartoffeln, Getreide, Milch, manche Gemüse (Zwiebeln, Möhren) nicht nur autark, sondern konnte auch exportieren. Der Steppenboden ist extrem fruchtbar, allerdings stark durch Versalzung und Erosion bedroht, wenn großflächig angebaut wird. Aber gerade Gärtnereien mit vorsichtiger Bewässerung gedeihen prächtig. Wer heute durch die Mongolei fährt, siehr insbesondere im Zentral- und Selenge-Aimag wieder große Felder (und dazwischen brach liegende Felder des letzten Jahres). Auch kann man entstehende Großgärtnereien mit riesigen Bewässerungsanlagen beobachten. Wer in den einzelnen Sums genauer hinsieht, wird auch dort hinter den Bretterzäunen florierende Gärtnereien entdecken können, die den Eigenbedarf "vor Ort" decken können. Die Förderung der ländlichen Region ist etwa seit 2005 auch wieder ein Ziel der mongolischen Politik.

2011 veröffentlichte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung eine Initiates file download"Machbarkeitsstudie zu den zu den Möglichkeiten des Ausbaus des Agrarhandels mit der Mongolei", in der mögliche Ansatzpunkte vorwiegend für den Export landwirtschaftlicher Produkte und verarbeiteter Lebensmittel erörtert wurden.

Es lohnt sich, diese Studie zu lesen, weil sie auch grundsätzliche statistische Daten zu den Einkommensverhältnissen (Basis etwa 2010) und der Entwicklung verschiedener Wirtschaftssektoren enthält, die in dieser Form nur schwer zu beschaffen sind.

(September 2013; Eike Seidel)

Landwirtschaft im Sozialismus

Ackerbau und Feldwirtschaft hat es in der Mongolei in früherer Zeit immer gegeben, allerdings nie in einem nennenswerten Ausmaß. Felder gab es inbesondere um die chinesischen Garnisonen und Siedlungen (z.B. Xovd).

Die Entwicklung der Agrarwirtschaft in der Mongolischen Volksrepublik während der 70er Jahre

von Prof. Jörg Stadelbauer

Ein der ganz wenigen westlichen Veröffentlichungen über die Landwirtschaft der Mongolei im Sozialismus. Der Artikel erschien 1984 in der Zeitschrift "Die Erde".

In der Mongolischen Volksrepublik (MVR) hat sich der mit der Sowjetisierung seit 1921 eingeleitete Prozeß eines umfassenden Kulturlandschaftswandels in den vergangenen beiden Jahrzehnten verstärkt. Die Kollektivierung der immer noch dominierenden Viehzüchterbevölkerung (Araten), Verstädterung und beginnende Industrialisierung sind aus anderen Studien hinlänglich bekannt, doch gewinnt seit 1959 auch die Agrarkolonisation an Bedeutung. Sie kann als Übernahme des sowjetischen Neulandprogrammes gedeutet werden und macht darauf aufmerksam, daß die MVR unter dem Einfluß sowjetischer Agrarberater auch andere Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum aufgegriffen hat. Sie zielen auf eine Modernisierung des Agrarwesens ab und sollen bis zu betrieblicher und regionaler Spezialisierung und Konzentration fortgeführt werden. Da der Ackerbau jedoch unter ähnlichen Risikobedingungen wie an der kazachischen Trockengrenze in der Sowjetunion betrieben werden muß, haben Mißernten in den vergangenen Jahren auf die Probleme einer weiteren Extensivierung des Anbaus verwiesen. Die bislang weitgehend mögliche Selbstversorgung des Landes mit Agrargütern ist bei dem derzeitigen raschen Bevölkerungswachstum zunehmend in Frage gestellt.

Initiates file downloaddownload