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10.12.2018 : 0:48 : +0100

Lebensraum

Nach dem Untergang der sowjetischen Einflussnahme in der Mongolei wurde die mongolische Viehwirtschaft privatisiert; daraus resultierte kurzfristig ein Aufschwung. Die grossen Viehbestände der 90er Jahre hatten jedoch zur Folge, dass die Weiden übernützt sind und die Nutztiere nicht mehr genügend Fettreserven für den Winter anlegen können. Der zusätzliche Verlust ganzer Herden im kalten Winter 2000/2001 liess die Leute in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Stadt ziehen.

1974 erklärte die mongolische Regierung das 12.000 km2 Gebiet zwischen dem Altaigebirge und der chinesischen Grenze zu einem Schutzgebiet, welches in die Kategorie, der am strengsten geschützten Territorien der Mongolei fällt: das Naturreservat Gobi-B Strictly Protected Area

1991 wurde das Gebiet von der UNO zum viertgrössten Biosphären-Reservat der Welt im Sinne der IUCN erklärt. Das Gebiet soll als Kulturlandschaft erhalten bleiben und einen integralen Schutz des Lebensraumes und der Lebensweise der Nomaden beinhalten.

Die Gobi-B besteht aus weiten Ebenen mit Hügelzügen im Westen und Gebirge von 1000 bis 3000 m ü. M im Osten. Der Lebensraum der Takhi umfasst semiaride bis aride Wüsten, Halbwüsten und Steppen mit „Gobs", die der Wüste ihren Namen geben.

Gobs sind unterirdische Wasserläufe, welche in den Gebirgsketten entspringen und Richtung Wüste fliessen. Sie machen das angrenzende Land zu Weideland. Einige dieser Quellen trocknen das ganze Jahr nicht aus - in diesen Gebieten sind ausgedehnte Saxaul-Felder anzutreffen, eine Vegetation, in welcher die Takhis sich gerne aufhalten.

Im Nationalpark gibt es sechs grosse Wasser-Quellen (Yolkhon, Takhin Us, Chonin Us, Gashuun Us, Gun Tamag und Toodog), die mehrere Kilometer lang sind. Ein gestauter Fluss dient der Bewässerung der Felder und der Gewinnung von Elektrizität.

Der neue Lebensraum der Takhis

Das Takhi-Projekt der ITG befindet sich im Takhin-Tal der Aimag Gobi-Altai. Es gilt als Ursprungsland der Przewalskipferde. Die Quelle von Chonin Us ist ein wichtiges Winterhabitat für Takhis und wird im Sommer intensiv durch Khulane und Gazellen genutzt; ebenso findet man hier im Sommer viele Küstenvögel und Entenarten. Takhin Us war eine

wichtige Wasserstelle für die letzten freilebenden Takhis und Yolkhon ist die einzige Quelle mit Bäumen. Sie ist umgeben von Salz-Sümpfen, Riedgras und Steppe. Im Norden befinden sich Sanddünen und Salzpfannen, wo Salz von guter Qualität gewonnen wird.

Im Herbst und im Frühling wird ein Teil des Gobi-B-Reservats von insgesamt 90 Nomadenfamilien genutzt, welche ihr Vieh auf dem Weg von den Sommerweiden im Altaigebirge zu den Winterweiden in der Wüste an der chinesischen Grenze und zurück treiben. Auf dem Höhepunkt der Wanderungen fasst das gesamte Reservat bis zu 40'000 Stück Nutzvieh.

Klima

In der Gobi-B herrscht ein hochkontinentales Klima mit bis zu 75oC Temperatur-Differenzen während des Jahres und Tagesschwankungen von bis zu 25oC. Es ist geprägt von langen, kalten Wintern und kurzen, heissen Sommern; Niederschläge fallen vorwiegend im Sommer und übersteigen 100 mm pro Jahr nicht.

Pflanzen

Im Takhin-Tal wurden 204 Pflanzen-Arten gefunden. Es überwiegen Poaceae (Gräser), Asteraceae (Korbblütler), Fabaceae (Schmetterlingsblütler) und Chenopodiaceae (Gänsefussgewächse). Im Frühling bedecken wilde Zwiebeln die Steppe und entlang der Quellen und Wasserläufe entwickelt sich eine dichte, grüne Vegetation. Der einst dominierende Saxaulbusch hat in den letzten Jahren abgenommen, da er als Brennholz verwendet wird. Er soll in Zukunft geschützt werden.

Säugetiere, Reptilien und Vögel

Kleine Säugetiere wie der Igel oder viele der 25 heimischen Mausarten sind meist nachtaktiv. Die bekanntesten Tiere der Gobi-B sind jedoch das Przewalskipferd und der Khulan (Wildesel), sowie die äusserst gewandte Kropfgazelle. Das grösste Raubtier - der Wolf - ist häufig nur über Spuren oder Kot auszumachen; der Fuchs hingegen wird relativ häufig gesehen.

Katzenartige wie Luchs und Schneeleopard findet man im Südwesten der Gobi-B, während sich sibirische Steinböcke und Moufflon eher im Gebirge aufhalten.

Die Reptilienfauna ist klein; die bekannteste und meistgesehene Art ist die Krötenkopfagame.

97 Vogelarten verbringen das ganze Jahr oder Teile des Jahres in der Gobi-B. Typisch ist das Steppenhuhn, welches morgens und abends an Wasserstellen beobachtet werden kann; eine der häufigsten Arten ist jedoch die Ohrenlerche.

Der Jungfernkranisch, dessen Nest aus kleinen Steinen besteht, hat in der Bevölkerung eine besondere, mystische Bedeutung. In der Gobi-B gibt es zwölf verschiedene Raubvogelarten, wobei Mönchs- und Lämmergeier sowie Steppen- und Steinadler die eindrücklichsten sind.